Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht? Wenn du beginnst, den Fehler bei dir zu suchen
Vielleicht kennst du diesen Moment.
Du lernst jemanden kennen und für eine Weile fühlt es sich gut an. Ihr schreibt euch, trefft euch, vielleicht entsteht Hoffnung. Und dann zieht sich der andere zurück. Das Interesse verändert sich oder der Kontakt verläuft langsam im Sand.
Oder es gibt schon länger niemanden, bei dem überhaupt das Gefühl entsteht, dass daraus eine Partnerschaft werden könnte.
Beim ersten Mal lässt sich das vielleicht noch leichter einordnen. Es hat eben nicht gepasst. Doch wenn sich solche Erfahrungen wiederholen oder der Wunsch nach einer Partnerschaft schon lange unerfüllt bleibt, kann sich irgendwann eine andere Frage dazugesellen:
„Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht?“

Und vielleicht bleibt es nicht bei dieser Frage. Du beginnst zurückzublicken, Situationen zu analysieren und nach Erklärungen zu suchen.
War ich zu zurückhaltend? Zu anspruchsvoll? Zu unabhängig? Hätte ich mich mehr öffnen sollen? Oder weniger?
Aus dem Wunsch zu verstehen, was passiert ist, kann so langsam die Suche nach dem vermeintlichen Fehler bei dir selbst werden.
Wenn aus Enttäuschung Selbstzweifel werden
Es ist nachvollziehbar, verstehen zu wollen, warum etwas, das man sich sehr wünscht, bisher nicht gelungen ist. Gerade wenn andere Lebensbereiche gut funktionieren, kann die Partnerschaft zu jenem Bereich werden, bei dem du besonders kritisch auf dich selbst schaust. Du hast Freundschaften, gestaltest deinen Alltag, triffst Entscheidungen und hast vielleicht schon viele Herausforderungen in deinem Leben gemeistert.
Und trotzdem scheint ausgerechnet das nicht zu gelingen.
Vielleicht siehst du Freundinnen, die nach einer Trennung wieder jemanden kennenlernen. Menschen in deinem Umfeld gehen neue Partnerschaften ein, während du dich fragst, warum sich bei dir nichts verändert.
Mit der Zeit kann daraus der Eindruck entstehen, dass es einen Grund geben muss.
Und dass dieser Grund bei dir liegt.
Doch zwischen der Frage „Was kann ich aus meinen Erfahrungen lernen?“ und dem Gedanken „Mit mir stimmt etwas nicht“ liegt ein entscheidender Unterschied.
Warum werde ich nicht geliebt?
Hinter der Frage „Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht?“ kann sich irgendwann eine noch schmerzhaftere verbergen:
„Warum werde ich nicht geliebt?“
Vielleicht würdest du sie so nie laut aussprechen. Und trotzdem kann sie sich zeigen, wenn eine Kennenlernphase wieder endet, eine Nachricht unbeantwortet bleibt oder du jemanden möchtest, der sich nicht für dich entscheidet. Solche Erfahrungen können am eigenen Selbstbild rütteln. Besonders dann, wenn sie sich wiederholen. Denn Ablehnung fühlt sich persönlich an.
Wenn ein Mensch sich gegen eine Partnerschaft mit uns entscheidet, liegt der Gedanke nahe, dass wir nicht genug waren. Nicht interessant genug, nicht attraktiv genug, nicht unkompliziert genug oder einfach nicht diejenige, für die sich jemand entscheiden möchte.
Doch ob zwischen zwei Menschen eine Partnerschaft entsteht, hängt von weit mehr ab als vom Wert eines einzelnen Menschen. Zwei Menschen müssen einander begegnen, Interesse füreinander entwickeln und ähnliche Vorstellungen davon haben, was sie miteinander möchten. Lebenssituationen, Bedürfnisse und Entscheidungen spielen ebenso eine Rolle. Dass ein Mensch keine Partnerschaft mit dir eingehen möchte, kann weh tun. Es bedeutet jedoch nicht, dass du nicht liebenswert bist.
Wenn wir nach dem Fehler bei uns suchen
Selbstreflexion kann wertvoll sein.
Wir alle bringen Erfahrungen mit, die beeinflussen, wie wir Nähe gestalten, was wir brauchen, wo wir vorsichtig werden und welche Entscheidungen wir treffen. Es kann hilfreich sein, neugierig darauf zu schauen. Vielleicht stellst du fest, dass du deine eigenen Bedürfnisse manchmal zurückstellst, sobald du jemanden magst. Vielleicht merkst du, dass du lange in Kontakten bleibst, obwohl du eigentlich spürst, dass ihr Unterschiedliches sucht. Vielleicht gibt es Situationen, in denen du dich zurückziehst, obwohl du dir gleichzeitig Nähe wünschst. Solche Erkenntnisse können etwas verändern.
Aber es macht einen Unterschied, mit welcher Haltung du hinschaust.
Wenn die Ausgangsfrage lautet „Was stimmt mit mir nicht?“, wird jede Erfahrung schnell zum Beweis dafür, dass du etwas falsch machst.
Wenn du stattdessen fragst „Was kann ich über mich lernen?“, entsteht ein anderer Raum.
Dann geht es nicht darum, dich zu optimieren, damit dich endlich jemand auswählt, sondern darum, dich selbst besser zu verstehen.
Partnerschaft ist kein Beweis für deinen Wert
Manchmal behandeln wir Partnerschaft unbewusst wie eine Art Bestätigung.
Wenn jemand mich liebt, bin ich liebenswert.
Wenn jemand bei mir bleibt, bin ich richtig.
Wenn sich niemand für mich entscheidet, fehlt mir offenbar etwas.
Doch Partnerschaft ist kein Qualitätssiegel für einen Menschen.
Menschen in Partnerschaften sind nicht automatisch selbstsicherer, emotional reifer oder beziehungsfähiger als Menschen, die Single sind. Ebenso wenig bedeutet eine lange Zeit ohne Partnerschaft, dass jemand grundsätzlich etwas falsch macht.
Vielleicht ist das besonders schwer anzunehmen, wenn du dir eine Beziehung sehr wünschst.
Denn natürlich darf es dich traurig machen, wenn dieser Wunsch lange unerfüllt bleibt. Du musst deine Sehnsucht nicht kleinreden und dir auch nicht einreden, dass dir eine Partnerschaft eigentlich gar nicht wichtig sein sollte.
Aber du darfst unterscheiden zwischen:
„Mir fehlt eine Partnerschaft in meinem Leben.“
und
„Mir fehlt etwas, deshalb habe ich keine Partnerschaft.“
Das eine beschreibt einen Wunsch.
Das andere macht dich selbst zum Problem.
Du darfst hinschauen, ohne dich falsch zu machen
Vielleicht gibt es Dinge, die du über dich und deine Art, Beziehungen zu gestalten, noch herausfinden möchtest.
Vielleicht möchtest du verstehen, warum bestimmte Situationen dich besonders verunsichern, welche Form von Nähe du dir wünschst oder warum du dich immer wieder auf Menschen einlässt, bei denen etwas Wesentliches fehlt.
All das darf Teil deiner persönlichen Entwicklung sein.
Doch du musst dafür nicht mit der Annahme beginnen, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Vielleicht kann die Frage „Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht?“ deshalb irgendwann eine andere Richtung bekommen.
Nicht mehr:
„Was muss ich an mir verändern, damit mich jemand liebt?“
Sondern:
„Was möchte ich über mich, meine Bedürfnisse und meine Beziehungen lernen?“
Denn dass Partnerschaft bisher nicht so gelungen ist, wie du es dir wünschst, bedeutet nicht, dass du falsch bist.
Es bedeutet auch nicht, dass du deinen Wunsch aufgeben musst.
Du darfst dir eine liebevolle Partnerschaft wünschen und gleichzeitig aufhören, deinen eigenen Wert davon abhängig zu machen, ob sie bereits Teil deines Lebens ist.
Wenn du auf deine bisherigen Erfahrungen mit Partnerschaft und Kennenlernen zurückblickst: Was verändert sich, wenn du nicht nach deinem vermeintlichen Fehler suchst, sondern danach, was du über dich lernen kannst?
Wenn du merkst, dass die Frage, warum Partnerschaft bei dir bisher nicht geklappt hat, immer wieder an deinem Selbstwert rüttelt, begleite ich dich gern dabei, deine Erfahrungen mit einem anderen Blick zu betrachten.


