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Sandweg durch Dünen mit Strandgras und Blick auf das Meer

Vielleicht hast du schon vieles ausprobiert.

Du hast Dating-Apps installiert und wieder gelöscht. Du hast dich auf Verabredungen eingelassen, obwohl du manchmal eigentlich keine Lust mehr darauf hattest. Vielleicht hast du Bücher gelesen, Podcasts gehört oder dich intensiver mit dir selbst beschäftigt.

Du hast darüber nachgedacht, welche Menschen du kennenlernst, wie du dich beim Dating verhältst und ob du dich ausreichend öffnest. Vielleicht hast du versucht, gelassener zu werden, selbstbewusster oder klarer in dem, was du möchtest.

Und trotzdem bist du noch Single.

Irgendwann taucht dann vielleicht die Frage auf: „Warum finde ich keinen Partner?“

Und gleich dahinter die nächste: „Was kann ich noch tun?“

 

Diese Frage ist verständlich. Wenn uns etwas wichtig ist und es nicht gelingt, suchen wir nach Möglichkeiten, etwas zu verändern. Wir sind es gewohnt, dass Einsatz in vielen Bereichen unseres Lebens einen Unterschied macht. Doch genau diese Logik lässt sich auf Liebe nur begrenzt übertragen.

 

Wenn die Partnersuche zur Aufgabe wird

Am Anfang kann Dating noch von Neugier begleitet sein. Du lernst Menschen kennen, gehst auf Verabredungen und schaust, was daraus entsteht. Wenn über längere Zeit keine Partnerschaft daraus hervorgeht, kann sich etwas verändern. Vielleicht beobachtest du genauer, was du sagst und wie du dich verhältst. Du fragst dich, ob du zu viel Interesse gezeigt hast oder zu wenig. Ob du früher hättest erkennen müssen, dass jemand nicht dasselbe sucht. Ob du mehr Initiative zeigen oder dich lieber zurückhalten solltest.

Mit jeder neuen Erfahrung wächst das Wissen darüber, was du möchtest und was nicht. Das kann hilfreich sein.

 

Gleichzeitig kann Partnersuche irgendwann den Charakter einer Aufgabe bekommen, die es zu lösen gilt. Wenn etwas nicht funktioniert, probieren wir eben eine andere Strategie.

Noch eine Dating-App, andere Fotos, mehr Offenheit, weniger Erwartungen, mehr Dates, eine Pause vom Dating und danach ein neuer Versuch. Und vielleicht entsteht dabei langsam der Eindruck, irgendwo müsse es doch den entscheidenden Hebel geben. Etwas, das du nur noch nicht erkannt oder richtig gemacht hast.

 

Wenn aus persönlicher Entwicklung Selbstoptimierung wird

Sich selbst besser kennenzulernen, eigene Bedürfnisse zu verstehen oder frühere Erfahrungen zu reflektieren, kann sehr wertvoll sein.

Doch persönliche Entwicklung kann ihre Richtung verändern, wenn hinter ihr zunehmend die Hoffnung steht: „Wenn ich nur genug an mir arbeite, wird es irgendwann mit einer Partnerschaft klappen.“

Vielleicht möchtest du selbstbewusster werden, weil du glaubst, dadurch attraktiver zu wirken. Du versuchst unabhängiger zu sein, damit du nicht bedürftig erscheinst. Du möchtest gelassener daten, dich schneller öffnen oder gerade nicht zu schnell öffnen.

Aus dem Wunsch, sich selbst besser zu verstehen, kann so unbemerkt Selbstoptimierung werden. Und plötzlich gibt es immer noch etwas, das du an dir verbessern könntest.

Noch ein Muster verstehen. Noch sicherer werden. Noch mehr loslassen. Noch mehr „bei dir ankommen“.

Dabei ist persönliche Entwicklung kein Programm, das du erfolgreich abschließen musst, bevor du bereit für Liebe bist. Du darfst dich verändern, wachsen und dich mit dir auseinandersetzen. Aber du musst nicht erst eine vermeintlich bessere Version deiner selbst werden, damit eine Partnerschaft möglich ist.

 

Das Gefühl, nicht genug zu sein

Besonders schwierig kann es werden, wenn du bereits viel versucht hast.

Denn wenn wir uns anstrengen und das gewünschte Ergebnis trotzdem ausbleibt, liegt irgendwann ein Gedanke nahe: „Vielleicht reicht es einfach nicht.“

Und aus diesem Gedanken kann schnell ein Gefühl werden, selbst nicht genug zu sein.

Nicht attraktiv genug, nicht interessant genug, nicht offen genug, nicht entspannt genug, vielleicht zu anspruchsvoll oder zu unabhängig.

Die Liste dessen, was vermeintlich anders sein müsste, lässt sich beinahe endlos fortsetzen.

Vor allem dann, wenn wir andere Menschen beobachten, bei denen Partnerschaft scheinbar viel leichter entsteht. Vielleicht hat eine Freundin jemanden kennengelernt, obwohl sie nie Dating-Apps genutzt hat. Eine andere ist nach kurzer Zeit wieder in einer Beziehung. Und du fragst dich, warum du dich so intensiv mit dir beschäftigst und es bei dir trotzdem nicht funktioniert. Doch Liebe folgt keinem Leistungsprinzip. Dass du bisher keinen Partner gefunden hast, bedeutet nicht, dass du noch nicht genug an dir gearbeitet hast. Und es bedeutet auch nicht, dass du nicht genug bist.

 

Liebe lässt sich nicht leisten

Wir können in unserem Leben vieles beeinflussen.

Du kannst entscheiden, ob du eine Dating-App nutzt. Du kannst Gelegenheiten schaffen, bei denen du neue Menschen kennenlernst. Du kannst jemanden ansprechen, Interesse zeigen und lernen, deine Bedürfnisse klarer auszudrücken. Du kannst auch zurückblicken und dich fragen, was du aus vergangenen Erfahrungen mitnehmen möchtest. All das liegt zumindest teilweise in deiner Hand. Aber irgendwann endet dieser Einfluss.

 

Du kannst vieles dafür tun, Menschen kennenzulernen. Aber du kannst nicht leisten, dass zwischen zwei Menschen Liebe entsteht. Denn dafür braucht es nicht nur dich.

Es braucht einen anderen Menschen, der dir begegnet. Mit seinen eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Erfahrungen, Vorstellungen und seiner eigenen Lebenssituation.

Ihr müsst euch nicht nur kennenlernen. Ihr müsst euch auch füreinander interessieren, Nähe miteinander wollen und eine Vorstellung davon haben, wie diese Verbindung weitergehen könnte. Das lässt sich nicht allein durch das richtige Verhalten herstellen.

 

Es gibt keine verlässliche Gleichung, nach der genügend persönliche Entwicklung und die richtige Dating-Strategie automatisch zu einer Partnerschaft führen. Und genau das kann frustrierend sein, vielleicht aber auch ein wenig entlastend. Denn wenn Liebe kein Ergebnis ist, das du allein herstellen kannst, musst du ihr Ausbleiben auch nicht als Beweis dafür verstehen, dass du dich noch nicht genug angestrengt hast.

 

Du musst dich nicht für die Liebe optimieren

Vielleicht gibt es Dinge, die du gerne verändern möchtest.

Vielleicht möchtest du lernen, deine Grenzen früher wahrzunehmen. Klarer auszusprechen, was du brauchst. Dich leichter auf Nähe einzulassen oder schneller zu erkennen, wenn ein Kontakt dir nicht guttut.

Dann darfst du das tun. Nicht, damit du endlich „richtig“ für eine Partnerschaft wirst, sondern weil diese Entwicklung für dich wertvoll ist.

 

Vielleicht liegt genau darin ein wichtiger Unterschied.

Statt dich zu fragen: „Was muss ich noch an mir verändern, damit mich endlich jemand will?“

könntest du dich fragen:

„Was möchte ich über mich lernen, damit sich Beziehungen und Begegnungen für mich stimmiger anfühlen?“

 

Dein Wunsch nach einer Partnerschaft darf dabei bleiben. Du musst ihn weder loslassen noch kleiner machen. Aber vielleicht darf der Auftrag verschwinden, durch genügend Arbeit an dir selbst dafür sorgen zu müssen, dass er sich erfüllt. Denn du darfst dich entwickeln, ohne dich für die Liebe zu optimieren und du darfst dir eine Partnerschaft wünschen, ohne sie dir erst verdienen zu müssen.

 

Wenn du nicht mehr davon ausgehen würdest, dass du noch etwas an dir optimieren musst: Was würdest du trotzdem gerne über dich lernen oder für dich verändern. Einfach, weil es dir selbst wichtig ist?

 

Wenn du merkst, dass die Partnersuche immer mehr zu einer Aufgabe geworden ist und du dabei zunehmend kritisch auf dich selbst blickst, begleite ich dich gern dabei, wieder einen anderen Blick auf dich, deine Bedürfnisse und deinen Wunsch nach Partnerschaft zu entwickeln.

 
 
Gräser im warmen Sonnenlicht vor einer unscharfen Berglandschaft.

Vielleicht kennst du einen Abend, an dem du allein zu Hause bist und dich vollkommen wohl damit fühlst. Du liest, schaust einen Film, kochst etwas oder genießt einfach die Ruhe und hast nicht das Gefühl, dass dir in diesem Moment etwas fehlt.

 

Und vielleicht kennst du auch das Gegenteil.

Du sitzt mit anderen Menschen an einem Tisch, unterhältst dich, lachst und bist eigentlich mittendrin. Trotzdem bleibt dieses schwer zu beschreibende Gefühl, nicht wirklich verbunden zu sein.

Oder du hast Menschen in deinem Leben, mit denen du regelmäßig Kontakt hast, und vermisst dennoch jemanden, dem du dich wirklich anvertrauen kannst.

 

Genau darin zeigt sich etwas, das beim Thema Einsamkeit leicht übersehen wird:

Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe.


Vielleicht kennst du selbst den Gedanken: „Ich bin einsam, obwohl ich nicht allein bin.“ Denn auch Einsamkeit fühlt sich nicht für jeden Menschen gleich an. Manchmal fehlt uns Begegnung. Manchmal Vertrautheit. Manchmal Nähe. Und manchmal sind Menschen da und trotzdem scheint etwas zwischen uns und ihnen zu stehen.

 

Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe

Alleinsein beschreibt zunächst einen äußeren Zustand: In diesem Moment ist kein anderer Mensch bei dir. Wie du diesen Zustand erlebst, kann sehr unterschiedlich sein.

Vielleicht genießt du es, Zeit für dich zu haben. Allein einen Kaffee trinken zu gehen, durch die Stadt zu spazieren oder einen Sonntag ohne Verabredung zu verbringen, kann sich ruhig und frei anfühlen.

An einem anderen Tag kann genau dieses Alleinsein schmerzen.

 

Einsamkeit beschreibt dagegen ein subjektives inneres Erleben. Deshalb können wir uns auch unter Menschen einsam fühlen. Entscheidend ist nicht allein, wie viele Menschen um uns herum sind, sondern ob wir die Verbindung erleben, die wir gerade brauchen oder uns wünschen.

 

Gerade für Single-Frauen finde ich diese Unterscheidung wichtig. Denn Single zu sein bedeutet nicht automatisch, einsam zu sein. Gleichzeitig darf es Momente geben, in denen dir bestimmte Formen von Nähe oder Verbundenheit fehlen, obwohl dein Leben grundsätzlich erfüllt ist und du Menschen um dich hast. Beides darf gleichzeitig wahr sein.

 

Warum Einsamkeit ganz unterschiedlich aussehen kann

Gabriele Frick-Baer und Udo Baer beschreiben in ihrem Buch Das große Buch der Gefühle fünf Facetten der Einsamkeit: Kontakteinsamkeit, Freundschaftseinsamkeit, Intimitätseinsamkeit, Herzenseinsamkeit und Bindungseinsamkeit.

Diese Unterscheidung ist keine Diagnose und auch keine Einteilung, in die ein Mensch eindeutig hineinpassen muss. Vielmehr ermöglicht sie einen differenzierteren Blick auf die Frage: Welche Form von Verbindung vermisse ich eigentlich?

 

Denn hinter dem Satz „Ich fühle mich einsam“ können sehr unterschiedliche Erfahrungen stehen. Vielleicht erkennst du dich beim Lesen stärker in einer Facette wieder. Vielleicht findest du dich in mehreren wieder und vielleicht verändert sich das auch je nach Lebensphase.

 

Kontakteinsamkeit – wenn Begegnung und Austausch fehlen

Manchmal fehlt vor allem eines: Kontakt zu anderen Menschen.

Vielleicht hat sich dein soziales Umfeld verändert. Eine Freundin ist weggezogen, andere haben weniger Zeit, du arbeitest viel im Homeoffice oder eine Veränderung in deinem Leben hat dazu geführt, dass Begegnungen seltener geworden sind. Tage können dann vergehen, an denen es zwar Nachrichten, E-Mails oder kurze Gespräche gibt, aber kaum wirklichen persönlichen Austausch. Wenn das länger anhält, kann auch die Hürde größer werden, selbst wieder Kontakt aufzunehmen. Vielleicht würdest du gerne mehr unternehmen, weißt aber nicht so recht mit wem. Oder du merkst, dass es dir zunehmend schwerfällt, auf neue Menschen zuzugehen.

 

Bei der Kontakteinsamkeit steht deshalb weniger die Tiefe einer Beziehung im Mittelpunkt als die Frage, ob Begegnung und sozialer Austausch überhaupt ausreichend vorhanden sind.

 

Freundschaftseinsamkeit – wenn Vertrautheit fehlt

Du kannst einen vollen Kalender haben und dich trotzdem einsam fühlen.

Vielleicht kennst du viele Menschen. Du hast Kolleginnen, Bekannte, Menschen aus dem Sport oder andere Kontakte, mit denen du gerne Zeit verbringst. Und dennoch fehlt dir jemand, bei dem du nicht lange überlegen musst, was du erzählen kannst. Jemand, den du anrufen möchtest, wenn etwas Schönes passiert oder wenn etwas schiefläuft. Jemand, bei dem ein Gespräch nicht an der Oberfläche bleiben muss.

 

Bei Freundschaftseinsamkeit geht es deshalb nicht darum, wie viele Menschen du kennst, sondern darum, ob du Beziehungen erlebst, in denen Vertrautheit und persönlicher Austausch möglich sind. Manchmal ist viel Kontakt vorhanden und trotzdem fehlt genau diese Form von Nähe.

 

Intimitätseinsamkeit – wenn tiefe Nähe fehlt oder schwerfällt

Beim Wort Intimität denken viele zunächst an Sexualität.

Frick-Baer und Baer verstehen darunter jedoch mehr. Intimität kann auch bedeuten, einem anderen Menschen körperlich, emotional und seelisch nahe zu sein und sehr persönliche Seiten von sich zeigen zu können.

 

Vielleicht wünschst du dir jemanden, bei dem du dich fallen lassen kannst. Berührung, körperliche Nähe, ein Gespräch, in dem du etwas erzählst, das du nicht vielen Menschen erzählst. Gerade als Single kann diese Form von Nähe fehlen, ohne dass deshalb dein gesamtes Leben einsam sein muss. Vielleicht hast du enge Freundschaften, ein gutes soziales Netz und Menschen, mit denen du dich verbunden fühlst und vermisst trotzdem die besondere körperliche oder emotionale Nähe, die du mit einer Partnerschaft verbindest.

Gleichzeitig kann Nähe auch verletzlich machen. Vielleicht ist der Wunsch danach da und du bemerkst trotzdem Vorsicht oder Unsicherheit, wenn ein Mensch dir tatsächlich näherkommt. Auch diese Gleichzeitigkeit darf sein.

 

Herzenseinsamkeit – wenn das eigene Herz geschützt bleibt

Manche Gefühle liegen sehr nah an unserem innersten Erleben.

Vielleicht gibt es Seiten von dir, die du nur selten zeigst. Wünsche, Verletzungen oder Sehnsüchte, von denen andere wenig wissen.

Frick-Baer und Baer beschreiben Herzenseinsamkeit als eine Form der Einsamkeit, die diesen sehr persönlichen emotionalen Bereich betrifft. Schmerzhafte Erfahrungen wie Verlust, Kränkung, Verrat oder Enttäuschung können dazu führen, dass Menschen vorsichtiger damit werden, was sie von sich zeigen. Das kann zunächst ein verständlicher Schutz sein.

Schwierig kann es werden, wenn dieser Schutz so stark wird, dass kaum noch jemand Zugang zu dem bekommt, was dich wirklich bewegt.

 

Vielleicht sind Menschen da, vielleicht gibt es Gespräche und Beziehungen und trotzdem bleibt ein Teil deines inneren Erlebens ganz bei dir. Dann kann Einsamkeit nicht daraus entstehen, dass niemand da ist, sondern daraus, dass das, was in dir lebendig ist, kaum jemanden erreicht.

 

Bindungseinsamkeit – wenn Verbindung gewünscht ist und Bindung schwerfällt

Manchmal ist der Wunsch nach Verbindung sehr deutlich vorhanden und gleichzeitig fällt es schwer, sich längerfristig auf einen Menschen einzulassen oder sich in einer Bindung sicher zu fühlen.

Frick-Baer und Baer stellen bei der Bindungseinsamkeit Zusammenhänge insbesondere zur Herzenseinsamkeit und teilweise auch zur Intimitätseinsamkeit her. Begegnung kann möglich sein, Nähe vielleicht ebenfalls. Und trotzdem kann an einem bestimmten Punkt etwas schwieriger werden.

 

Vielleicht merkst du, dass du dir Verbindung wünschst und gleichzeitig vorsichtiger wirst, wenn ein Mensch wirklich wichtig wird. Oder dass du Nähe genießen kannst, aber ein dauerhaftes Einlassen etwas anderes in dir auslöst. Auch hier geht es nicht darum, daraus vorschnell eine Erklärung für dich oder deine bisherigen Beziehungserfahrungen abzuleiten.

 

Vielleicht reicht zunächst die Wahrnehmung:

Ich wünsche mir Verbindung – und gleichzeitig gibt es etwas in mir, das dabei aufmerksam oder vorsichtig wird. Beides kann nebeneinander bestehen.

 

Einsamkeit lässt sich nicht immer einer Facette zuordnen

Vielleicht hast du dich beim Lesen an mehreren Stellen wiedererkannt. Das wäre nicht ungewöhnlich.

 

Die fünf Facetten sind keine voneinander abgeschlossenen Bereiche. Sie können miteinander verbunden sein und sich im Laufe des Lebens verändern.

Vielleicht fehlt dir gerade vor allem ein Mensch für vertraute Gespräche. In einer anderen Lebensphase ist dein soziales Netz groß, aber du vermisst körperliche oder emotionale Intimität. Und manchmal verändert bereits eine neue Freundschaft, ein Umzug, eine Partnerschaft oder auch eine innere Entwicklung, welche Form von Verbindung sich ausreichend anfühlt und welche nicht. Deshalb geht es nicht darum, dich einer Kategorie zuzuordnen.

 

Viel interessanter finde ich die Frage:

Wo wünsche ich mir gerade mehr Verbindung und welche Form von Verbindung fehlt mir eigentlich?

 

Denn wenn wir Einsamkeit nur als „Ich bin zu viel allein“ verstehen, suchen wir vielleicht automatisch nach mehr Kontakt. Doch mehr Menschen um uns herum beantworten nicht zwangsläufig das, wonach wir uns sehnen.

Manchmal brauchen wir mehr Begegnung.

Manchmal eine vertraute Freundschaft.

Manchmal Berührung oder Intimität.

Manchmal möchten wir uns mit dem zeigen können, was uns wirklich bewegt.

Und manchmal wünschen wir uns eine Verbindung, in der wir uns auch langfristig sicher und verbunden fühlen können.

 

Vielleicht beginnt ein anderer Umgang mit Einsamkeit deshalb nicht damit, das Gefühl möglichst schnell loszuwerden, sondern damit, etwas genauer hinzuhören, wovon es eigentlich erzählt.

Vielleicht hast du dich beim Lesen in einer der fünf Facetten stärker wiedererkannt als in anderen. Vielleicht auch in mehreren.


Genau dafür habe ich den kostenfreien Einsamkeits-Selbsttest entwickelt. Anhand von 15 Fragen erhältst du eine erste Orientierung, welche Facette sich in deinem aktuellen Erleben besonders zeigt und ob es daneben eine weitere Tendenz gibt.

Nicht als Diagnose und nicht, um dich in eine Schublade einzuordnen, sondern als Einladung, dein eigenes Erleben ein Stück genauer kennenzulernen und der Frage nachzugehen:

 

Welche Form von Verbindung wünsche ich mir gerade in meinem Leben?

 

 
 

Vielleicht kennst du diesen Moment.

Du lernst jemanden kennen und für eine Weile fühlt es sich gut an. Ihr schreibt euch, trefft euch, vielleicht entsteht Hoffnung. Und dann zieht sich der andere zurück. Das Interesse verändert sich oder der Kontakt verläuft langsam im Sand.

Oder es gibt schon länger niemanden, bei dem überhaupt das Gefühl entsteht, dass daraus eine Partnerschaft werden könnte.

Beim ersten Mal lässt sich das vielleicht noch leichter einordnen. Es hat eben nicht gepasst. Doch wenn sich solche Erfahrungen wiederholen oder der Wunsch nach einer Partnerschaft schon lange unerfüllt bleibt, kann sich irgendwann eine andere Frage dazugesellen:

„Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht?“


 

Und vielleicht bleibt es nicht bei dieser Frage. Du beginnst zurückzublicken, Situationen zu analysieren und nach Erklärungen zu suchen.

War ich zu zurückhaltend? Zu anspruchsvoll? Zu unabhängig? Hätte ich mich mehr öffnen sollen? Oder weniger?

Aus dem Wunsch zu verstehen, was passiert ist, kann so langsam die Suche nach dem vermeintlichen Fehler bei dir selbst werden.

 

Wenn aus Enttäuschung Selbstzweifel werden

Es ist nachvollziehbar, verstehen zu wollen, warum etwas, das man sich sehr wünscht, bisher nicht gelungen ist. Gerade wenn andere Lebensbereiche gut funktionieren, kann die Partnerschaft zu jenem Bereich werden, bei dem du besonders kritisch auf dich selbst schaust. Du hast Freundschaften, gestaltest deinen Alltag, triffst Entscheidungen und hast vielleicht schon viele Herausforderungen in deinem Leben gemeistert.

Und trotzdem scheint ausgerechnet das nicht zu gelingen.

Vielleicht siehst du Freundinnen, die nach einer Trennung wieder jemanden kennenlernen. Menschen in deinem Umfeld gehen neue Partnerschaften ein, während du dich fragst, warum sich bei dir nichts verändert.

Mit der Zeit kann daraus der Eindruck entstehen, dass es einen Grund geben muss.

Und dass dieser Grund bei dir liegt.

Doch zwischen der Frage „Was kann ich aus meinen Erfahrungen lernen?“ und dem Gedanken „Mit mir stimmt etwas nicht“ liegt ein entscheidender Unterschied.

 

Warum werde ich nicht geliebt?

Hinter der Frage „Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht?“ kann sich irgendwann eine noch schmerzhaftere verbergen:

„Warum werde ich nicht geliebt?“

 

Vielleicht würdest du sie so nie laut aussprechen. Und trotzdem kann sie sich zeigen, wenn eine Kennenlernphase wieder endet, eine Nachricht unbeantwortet bleibt oder du jemanden möchtest, der sich nicht für dich entscheidet. Solche Erfahrungen können am eigenen Selbstbild rütteln. Besonders dann, wenn sie sich wiederholen. Denn Ablehnung fühlt sich persönlich an.

 

Wenn ein Mensch sich gegen eine Partnerschaft mit uns entscheidet, liegt der Gedanke nahe, dass wir nicht genug waren. Nicht interessant genug, nicht attraktiv genug, nicht unkompliziert genug oder einfach nicht diejenige, für die sich jemand entscheiden möchte.

Doch ob zwischen zwei Menschen eine Partnerschaft entsteht, hängt von weit mehr ab als vom Wert eines einzelnen Menschen. Zwei Menschen müssen einander begegnen, Interesse füreinander entwickeln und ähnliche Vorstellungen davon haben, was sie miteinander möchten. Lebenssituationen, Bedürfnisse und Entscheidungen spielen ebenso eine Rolle. Dass ein Mensch keine Partnerschaft mit dir eingehen möchte, kann weh tun. Es bedeutet jedoch nicht, dass du nicht liebenswert bist.

 

Wenn wir nach dem Fehler bei uns suchen

Selbstreflexion kann wertvoll sein.

Wir alle bringen Erfahrungen mit, die beeinflussen, wie wir Nähe gestalten, was wir brauchen, wo wir vorsichtig werden und welche Entscheidungen wir treffen. Es kann hilfreich sein, neugierig darauf zu schauen. Vielleicht stellst du fest, dass du deine eigenen Bedürfnisse manchmal zurückstellst, sobald du jemanden magst. Vielleicht merkst du, dass du lange in Kontakten bleibst, obwohl du eigentlich spürst, dass ihr Unterschiedliches sucht. Vielleicht gibt es Situationen, in denen du dich zurückziehst, obwohl du dir gleichzeitig Nähe wünschst. Solche Erkenntnisse können etwas verändern.

 

Aber es macht einen Unterschied, mit welcher Haltung du hinschaust.

Wenn die Ausgangsfrage lautet „Was stimmt mit mir nicht?“, wird jede Erfahrung schnell zum Beweis dafür, dass du etwas falsch machst.

Wenn du stattdessen fragst „Was kann ich über mich lernen?“, entsteht ein anderer Raum.

Dann geht es nicht darum, dich zu optimieren, damit dich endlich jemand auswählt, sondern darum, dich selbst besser zu verstehen.

 

Partnerschaft ist kein Beweis für deinen Wert

Manchmal behandeln wir Partnerschaft unbewusst wie eine Art Bestätigung.

Wenn jemand mich liebt, bin ich liebenswert.

Wenn jemand bei mir bleibt, bin ich richtig.

Wenn sich niemand für mich entscheidet, fehlt mir offenbar etwas.

Doch Partnerschaft ist kein Qualitätssiegel für einen Menschen.

 

Menschen in Partnerschaften sind nicht automatisch selbstsicherer, emotional reifer oder beziehungsfähiger als Menschen, die Single sind. Ebenso wenig bedeutet eine lange Zeit ohne Partnerschaft, dass jemand grundsätzlich etwas falsch macht.

Vielleicht ist das besonders schwer anzunehmen, wenn du dir eine Beziehung sehr wünschst.

Denn natürlich darf es dich traurig machen, wenn dieser Wunsch lange unerfüllt bleibt. Du musst deine Sehnsucht nicht kleinreden und dir auch nicht einreden, dass dir eine Partnerschaft eigentlich gar nicht wichtig sein sollte.

 

Aber du darfst unterscheiden zwischen:

„Mir fehlt eine Partnerschaft in meinem Leben.“

und

„Mir fehlt etwas, deshalb habe ich keine Partnerschaft.“

 

Das eine beschreibt einen Wunsch.

Das andere macht dich selbst zum Problem.

Du darfst hinschauen, ohne dich falsch zu machen

 

Vielleicht gibt es Dinge, die du über dich und deine Art, Beziehungen zu gestalten, noch herausfinden möchtest.

Vielleicht möchtest du verstehen, warum bestimmte Situationen dich besonders verunsichern, welche Form von Nähe du dir wünschst oder warum du dich immer wieder auf Menschen einlässt, bei denen etwas Wesentliches fehlt.

All das darf Teil deiner persönlichen Entwicklung sein.

Doch du musst dafür nicht mit der Annahme beginnen, dass mit dir etwas nicht stimmt.

 

Vielleicht kann die Frage „Warum klappt Partnerschaft bei mir nicht?“ deshalb irgendwann eine andere Richtung bekommen.

Nicht mehr:

„Was muss ich an mir verändern, damit mich jemand liebt?“

Sondern:

„Was möchte ich über mich, meine Bedürfnisse und meine Beziehungen lernen?“

Denn dass Partnerschaft bisher nicht so gelungen ist, wie du es dir wünschst, bedeutet nicht, dass du falsch bist.

Es bedeutet auch nicht, dass du deinen Wunsch aufgeben musst.

Du darfst dir eine liebevolle Partnerschaft wünschen und gleichzeitig aufhören, deinen eigenen Wert davon abhängig zu machen, ob sie bereits Teil deines Lebens ist.

 

Wenn du auf deine bisherigen Erfahrungen mit Partnerschaft und Kennenlernen zurückblickst: Was verändert sich, wenn du nicht nach deinem vermeintlichen Fehler suchst, sondern danach, was du über dich lernen kannst?

 

Wenn du merkst, dass die Frage, warum Partnerschaft bei dir bisher nicht geklappt hat, immer wieder an deinem Selbstwert rüttelt, begleite ich dich gern dabei, deine Erfahrungen mit einem anderen Blick zu betrachten.

 
 
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